Mythos Mosel

Mythos-Mosel
Mythos Mosel…
meine LieblingsRieslingReise

Als Ende März eine Einladung nach Wehlen in meinem Briefkasten lag, sprang mein Herz vor Freude in die Luft. Ein paar namhafte Wein- und Foodblogger waren eingeladen im ehrwürdigen Moselweingut Joh. Jos. Prüm einer ganz besonderen Weinprobe beizuwohnen. Diese wollte zum einen Wein- und Essensmenschen zusammenbringen und zum anderen mit traumhaften Weinen der beiden Gastgeberweingüter J.J.Prüm und Willy Schäfer zeigen, was Mosel alles kann. Und die kann was!

Im August 2013 erschien in der FAZ ein „folgenschwerer“ Artikel von Jakob Strobel y Serra über eine Weinregion, die in ihrer touristischen Vergangenheit der siebziger Jahre steckengeblieben war. Bestes Beispiel: die Stadt Cochem, das Schmuddelkind an Deutschlands schönstem Fluss mit Schnitzelparadiesen, Schlagermusikhöllen und Souvenirramschläden. Der Autor schuf den Begriff „Moselochsen“ und meinte damit die liebenswert aber kolossal sturköpfigen Moselaner. „Das Tal ist so eng und hermetisch, so sehr in sich selbst ruhend und sich selbst genügend, dass man hier leicht der Versuchung erliegt, im eigenen Saft zu schmoren – und gleichzeitig ist es so schön, dass man gar nichts dagegen hat“, schrieb Strobel y Serra damals und erntete damit zahlreiche erboste Leserkommentare.

Für die Winzer der Mosel war der Artikel Anlass genug sich zusammen und damit etwas dagegen zu setzten. Die Idee der Mythos Mosel Veranstaltung war geboren und nach fulminanter Premiere im letzten Jahr ging die Riesling-Reise in diesem Jahr weiter flussabwärts. An zwanzig Flusskilometern, von Kesten bis Zeltingen, konnten die Besucher mehr als 500 Weine probieren. 25 Gastgeberhöfe öffneten Ende Mai zwei Tage ihre Tore und Keller. 89 sowohl Spitzenwinzer darunter auch viele junge Talente zeigten wie vielseitig die Mosel sein kann, wie offen und gastfreundlich ihre Winzer sind, aber vor allem zeigten sie Geschlossenheit.

Schloss-LieserAn der grandiosen, aber leider auch schnell ausgebuchten Eröffnungsfeier auf Schloss Lieser am Freitagabend konnte ich leider nicht teilnehmen. Meine RieslingReise begann am Samstag. In Zeltingen am Klosterberg bei Markus Molitor war es leider so voll, dass ich gleich weitergefahren bin. Mit seiner 3 x 100 Punkte Bewertung und seinen Gastweingütern St. Urbanshof und Van Volxem war er einer der Publikumsmagneten der Veranstaltung. Meine erste Station, das Weingut Willi Schäfer in Graach, war ebenfalls bestens besucht. Dort traf ich die Gastgeber der morgigen Probe: Dr. Katharina Prüm und Christoph Schäfer. Ich hatte bisher noch nie einen Schäfer-Wein getrunken und nutze sogleich die Möglichkeit dies Vergangenheit sein zu lassen. Ich war ehrlich überrascht über die filigrane Eleganz, die so viel Trinkfluss und Druck erzeugt.

Weingut-SchaeferJeweils 5 Weine stellte jedes Weingut vor. Meist aus aktuellem Jahrgang Guts-Kabinett, Lagen-Kabinett, Spät- und Auslese. Bei Prüm war das anders, das war klar. Gereifte Rieslinge zeigen das ganze Können von Lage und Kellermeister. So schenkte mir Petra Pahlings, die beim Weingut Prüm den Vertrieb in Deutschland steuert, neben einem 2012er Graacher Himmelreich Kabinett auch eine 2007er Bernkasteler Badstube Auslese und eine 2003er Wehlener Sonnenuhr Auslese ins Glas. In ihren begleitenden Beschreibungen merkt man ihr die Liebe zu den Prümschen Weinen und die Region an. Ich bin begeistert. Allerdings, wenn man mit den Besten anfängt, haben es die Weine danach schwer. So zog ich nur ein kleines Stückchen weiter nach Bernkastel-Kues. Dort liegt direkt an der Mosel das Weingut Dr. Loosen. Ernie Loosen ist bestimmt kein Moselochse, seine wilden Locken lassen erahnen wie viel in seinem Kopf in Bewegung in seinem Kopf ist. Genauso quirlig ist seine Verkaufsleiterin. Desiree Schröder, immer unterwegs im Dienste des Mosel-Rieslings, zeigte mir auch die Weine der Gastweingüter Ansgar Clüssenrath und Julian Haart. Julian Haart ist eins der jungen Talente der Mosel. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Koch, doch dann entdeckte er seine Liebe zum Riesling und lernte u.a. bei Reinhard Löwenstein und Egon Müller. 2010 hat er sein Weingut in Piesport gegründet. Seine Philosophie: „Große Rieslingweine werden nicht gemacht, sondern sie wachsen in exzellenten Lagen“. Und die hat er: Piesporter Schubertslay und Goldtröpfchen sowie Wintricher Ohligsberg. Meine Reise ging weiter flussaufwärts in Richtung Brauneberg.

am-Fluss-entlangDie Landschaft ist einzigartig und man muss sie erleben, um sie und ihre Weine zu verstehen. Schon auf Fotos sehen die Weinberge atemberaubend aus, vom gegenüber liegenden Ufer wirkt die steile Wand wie eine ebene Fläche. Ihre wahre Schönheit, ihre Macht mit der sie den Blick in die Ferne brechen, wie sie steil hinauf streben, ihre Wellen und Trichter mit unterschiedlichen Himmelsausrichtungen, ihre vielen kleinen Parzellen sieht man nur, wenn man direkt davor steht. Tausende von Rebstöcken, meiste Riesling, wachsen in schwindelerregender Höhe. Der im Sommer sanft dahinfließende Fluss ist breit und das andere Ufer eine andere Welt. Der Abstand macht ruhig.

Im Weingut Martin Conrad besuchte ich Andreas Barth, dessen Weingut Lubentiushof in Niederfell an der Terrassenmosel liegt. Dort bewirtschaftet er die fast Monopol- aber definitiv Steilstlage Gäns. Andreas ist Verfechter der Spontanvergärung. Seine Weine entstehen ausschließlich mit natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller. Das „Passierenlassen“ ist seine Philosophie. Die Natur bestimmt das Ergebnis. Seine Spätlese und die Alten Reben sind immer fix ausverkauft, wie schön, dass ich sie hier noch probieren darf.

Andreas-BarthEinen Abend an der Mosel verbringt man am besten mit Freunden bei Ingrid Kropf im Rieslinghaus Porn. Gereifte Rieslinge und indisches Essen – eine super Einstimmung auf den morgigen Tag.

Petra-PahlingsMorgens um Zehn startete der Mosel-Mythos-„Frühschoppen“ mit einem 20012er Graacher Himmelreich Kabinett im Weingut Joh. Jos. Prüm. Katharina Prüm erzählte vom Sinn dieser Probe, sie solle Facetten des Rieslings zeigen und den Stil des Hauses greifbar machen, auch für Mosel-“Neulinge“.

Blogger-Fruehschoppen Viele Gedanken wurden gedacht bevor die Probenfolge stand: Wein aus einer Lage aus gleichen Jahrgängen von beiden Weingütern wurden einander gegenübergestellt; jedes Weingut zeigte seine „große“ Lage in verschiedenen Jahren, dabei wurden Jahrgänge mit ähnlichem Wetterverlauf wie die beiden kühleren Jahre 2004 und 2008 verglichen und Weine aus warmen Jahren wie 2003 gezeigt. 2003 war der erste Jahrgang den Katharina begleitet hat. Er reift, laut Vater Prüm, wie der Jahrgang 1959. Langlebigkeit ist das wichtigste Qualitätsmerkmal an der Mosel. Das schafft das einzigartige Terroir. „Der tiefgründige Tonschieferverwitterungsboden stellt zusammen mit dem eher kühlen Klima der Mosel und der perfekten Sonneneinstrahlung ein Paradies für Riesling dar. Zahlreiche Wasseradern garantieren eine optimale Wasserversorgung“, erklärt Christoph Schäfer. Auch die Reben sind langlebig, bis zu 100 Jahre alte wurzelechte Reben stehen hier in den Steillagen. An der Wand hängt ein Portrait von Maria Prüm, der Mutter des Weingutsgründers. Ihre Urenkelin Katharina ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten.

Maria-PrümIn sieben Flights wurden 19 Weine gezeigt, ab Flight 4 spuckten auch die „Profis“ nicht mehr! Wir waren bei den Auslesen angekommen. Wunderbar: zwei Weine aus 2007 und 1997, dann zwei Goldkapseln aus 2003 und 1983.

Spannend wie sich die Süße mit ihren Fruchtnoten von Apfel über Pfirsich bis zu Exoten, die bei den „jungen“ Weinen noch im Vordergrund stehen, mit den Jahren verändert und der Mineralität Platz macht. Dabei zeigen die Weine eine unendliche Eleganz und Feinheit, sind vielschichtig und gleichzeitig leicht.

Bis zu 150 Tage reifen die Beeren von der Blüte bis zur Ernte, die oft erst Ende Oktober oder Anfang November in 100% Handarbeit stattfindet. Die Gärung erfolgt mit natürlichen Hefen bei Schäfer in alten Fuderfässern, bei Prüm in Edelstahltanks. Im Keller wird möglichst wenig eingegriffen. Die Reislinge brauchen Zeit. Sie liegen lange auf der Hefe und werden spät gefüllt.

die-GastgeberAuch der 1976 Graacher Domprobst aus Christoph Schäfers Geburtsjahr, „da hat der Papa ein paar Fläschchen mehr von weggelegt“, ist herrlich animierend. Gereift ist keineswegs alt. Leider wird diese Wertschätzung den Moselweinen hauptsächlich im Ausland entgegen gebracht und somit der Großteil der Weine exportiert. Der in Deutschland beginnende Trend zu weniger Alkohol könnte der Mosel zuspielen. Der Mut zu gereiftem Wein erfordert ein gutes Fachhändler- oder Gastronomienetz, denn Aufklärungsarbeit ist erforderlich. Wer einmal mit dem Mythos Mosel infiziert ist, den lässt er nicht mehr los. Welch eine grandiose Probe. Ich bin dankbar dabei gewesen sein zu dürfen.

ProbenfolgeNach drei Stunden voller Information lasse ich es nun gemächlich angehen. Im Weininformationszentrum gefallen mir die Weine von Materne & Schmitt, zwei junge Winzerinnnen, Moselriesling aus Luxemburg vom Chateau Pauqué finde ich beim Gastweingut Thanisch, Daniel Vollenweider vom Klitzekleinen Ring begeistert mich in Lieser. Im Weingut neben dem Schloss treffe ich auf die Weine vom Weingut Zilliken, auf Frau Jauch und die Othegraven Weine und auf den Winzer des Jahres 2015 Thomas Haag.

vom-gegenueberliegenden-UferAm späten Nachmittag überquere ich noch einmal den Fluss, der auf 250km durch ein sich in unzähligen Kurven schlängelndes Tal fließt. Immer nur den Blick freigebend auf die schwindelerregenden Hänge voller in Reih und Glied stehender Reben. Das Weinromantikhotel Richtershof ist mein letztes Ziel der offiziellen Reise. Dort treffe ich auf drei wahre Winzertalente: Gernot Kollmann ist seit 2009 Önologe des Weinguts Immich-Batterieberg. Er macht intellektuelle, trockene Rieslinge mit viel mineralischer Präsenz und hat keine Angst vor Säure. Stefan Steinmetz aus Brauneberg kann nicht nur weiß, sondern auch rot. Ganz gleich ob Pinot Noir oder Meunier, Merlot oder Dornfelder (40XL) seine Weine sind finessenreich, ausdrucksstark und müssen probiert werden! Constantin Richter ist der jüngste Spross einer Winzer-Dynastie. Die Weine vom Weingut Max Ferdinand Richter besitzen Weltruhm und das seit fast 300 Jahren. Das Etikett seit 100 Jahren fast unverändert.

Max-Ferdinand-RichterSo traditionell wie der Tag begann, so sollte er enden, und so gastfreundlich und offen. Traditionen zu bewahren heißt keineswegs nicht auch bereit für die Zukunft zu sein. Wir haben an diesem Abend noch ein bisschen in der Vergangenheit geschwelgt und im Keller Platz für die Zukunft gemacht.

AltweinprobeDas Image der Mosel wandelt sich, „sie kommt zurück und ist auf dem Weg zu dem Platz der ihr zusteht“, so Constantin Richter. Recht hat er!
Mehr Infos: www.mythosmosel.de

Salon du Chocolat Cologne

Im November war es soweit: Der Salon du Chocolat eroberte zum 20. Geburtstag des Pariser Originals erstmals die Stadt Köln. In Paris als kleiner Event für Schokoholics gegründet, zog er hinaus in die Welt: New York, London, Tokio, Zürich, Moskau – 20 Städte rund um den Globus zeigen jährlich ihre Schokoladenverliebtheit. Nun gibt es den Event auch in Deutschland. Salon-du-Choclat-080Zur Voreröffnung hatte ich ein paar VIP-Karten ergattert und so freute ich mich neben mehr als fünfzig tollen Schokoladenherstellern, die aus der ganzen Welt angereist waren, auch ein paar Corpus Culinario Kollegen zu treffen. Gleich zu Beginn des Abends lockte das Defilee du Chocolat, die spektakuläre Schokoladen-Modenschau, die maßgeblich zum Bekanntwerden des Salon du Chocolat beigetragen hat, die Gäste in die Halle 9 der Kölnmesse. Moderiert von der charismatischen Sonya Kraus zeigten Models gewagte, einzigartige Mode-Kreationen, die teilweise mit über 1000 Schokoladenteilchen bestückt waren. Echte Leckerbissen also!

Salon-du-Choclat-065Bekanntes und Neues, aber auf jeden Fall Köstliches galt es zu entdecken: Von der traditionsreichen Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Lambertz, der Schokoladenmanufaktur Schell, der Confiserie Coppeneur, der Confiserie Gmeiner aus Freiburg, Michel Cluizel und Chocolat Bonnat, Goufrais, Chocome aus Ungarn über den Hoflieferanten Oberweis aus Luxemburg bis zu den Schweizer Schokoladenexperten von Camille Bloch, den Newcomern Nobel sowie Leonidas aus Brüssel. Von der Tafel über die Praline bis hin zu Schokoladenkapseln, Weihnachtsbäumen und Werkzeug aus Schokolade reichte das Angebot. Neben Schokolade gab es auch franz. Nougat, Macarons, Schokoladenlikör, kandierte Früchte, Bonbons, Marshmellows und Gewürze. Außerdem gab es Vorträge, Workshops und Live-Kochvorführungen an den drei Messetagen zu bestaunen.

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preisgekrönte Pralinen von Oberweis aus Luxemburg

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chocoMe – reich mit Nüssen und Früchten bestreute Tafeln aus Ungarn

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Salon-du-Choclat-170Am Stand von Volker Gmeiner hatte ich das Glück neben Dr. Hermann Bühlbecker auch die beiden Salon du Chocolat-Gründer Sylvie Douce (welch passender Name)  und Francois Jeantet zu treffen. Frau Douce erzählte mir von ihrem Pioniergeist und dem unbedingten Glauben an die Idee einer puren Schokoladenmesse. Belächelt worden seien sie, als verrückte Idee abgetan das Engagement für sortenreine Schokoladen, unterschiedliche Kakaobohnen, Schokoladen mit Fürchten und Gewürzen. Durchhalten war die Devise, das Vernetzen der Chocolatiers untereinander und die zunehmende Beliebtheit bei den Besuchern haben die Idee wachsen und erfolgreich werden lassen.

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Vinocamp 2014

Champagner Food Pairing
Schon seit Wochen freute ich mich auf dieses besondere Wochenende – #vcd14.
Jetzt ist es in guter Erinnerung und die Vorfreude auf das nächste Vinocamp (27. + 28. Juni 2015) kann wachsen.
Vor vier Jahren brachten Thomas Lippert und Dirk Würtz diese Barcamp-Idee ins Rheingau.
Mit der Universität in Geisenheim haben sie den perfekten Ort gewählt, um 150 Weinverrückte – Winzer, Blogger, Händler und Genießer – zusammenzubringen.
Ich war zum dritten Mal dabei und doch gab es für mich eine Premiere. Diesmal wollte ich nicht mehr nur Besucher sein, sondern ein aktiver Teil des Vinocamps werden. Das diesjährige Thema: Wein und Food, war wie dafür gemacht.

Winzerchampagner Probe #vcd14

Die Idee für die soziale Weinprobe wurde schon beim letzten Vinocamp geboren, beeindruckt von der Winzerchampagner Session mit Boris Maskow und Nicola Neumann. Noch nie vorher hatte ich so viele charakterstarke Champagner verkosten dürfen.
Klar – Ich wollte Wiederholung!
Champagner trinken ist großartig. Besonders dann, wenn man einen Winzerchampagner im Glas hat. Mit viel Charakter zeigt er, oft besser als die großen Marken, eine große Bandbreite an Aromen. Er kann frisch und leicht, fruchtig harmonisch, elegant und dicht, kräftig und gereift sein.

Mit einem Glas Champagner verbinden wohl die meisten einen besonderen Anlass. Die Korken knallen an Hochzeits- und Geburtstagen, zum Empfang von Gästen, zum Begießen guter Geschäfte und natürlich an Silvester. Dass Champagner auch ein äußerst guter Speisenbegleiter ist, wird oft nur in Kombination mit Caviar, Hummer und Co. gezeigt.

Nicola Neumann und ich wollten den Gegenbeweis antreten. Champagner passt auch zu Käse, Linsen mit geräucherter Entenbrust, Wildschweinschinken mit Ricotta gefüllt, Lachstatar mit rosa Beeren, Maishühnchen mit Eiernudeln und Pilzen in sahniger Sauce und zu fruchtigen Desserts. Ganz einfach zu Gerichten, die sich leicht(er) nachkochen lassen und viel öfter auf dem Speiseplan stehen als Austern. Gemeinsam mit 20 Vinocamper wagten wir den Versuch und entdeckten unwiderstehliche Champagner-Food-Kombinationen.

Kerstin und Nicola

Mein persönliches Fazit der Probe: Käse ist nicht gleich Käse. Dunkles Fleisch will mal dies und mal das. Ich mag es gereift und Rosé ging nicht zum Dessert. Ausprobieren macht Freude. Also trinkt mehr Winzerchampagner. Der Genuss ist Anlass genug.

Champagnerkorkendie-MaisNicola-schenkt-einzwei-gehen-nochzurechtfinden-im-Dschungelkollegtives-SchnutenziehenAlle-TeilnehmerBilder und Rezepte

Brie de Meaux und Comte mit zweierlei Chutney

Geräucherte Entenbrust auf Linsensalat
1kg Umbrische Berglinsen Linsen in Salzwasser 20 Minuten bissfest kochen
Gelbe, rote Paprika, schälen, Zucchini vierteln, Inneres rausschneiden, Gemüse in feine Würfel schneiden

Für die Vinaigrette 250ml Weißen Balsamessig mit 50g Salz, 5g weißem Pfeffer, 100g Zucker, 100g süßem Senf und 250ml Linsenkochwasser, sowie 200ml Olivenöl und 50ml Walnussöl mit dem Pürierstab verquirlen. Die Vinaigrette mit den gekochten Linsen, den rohen Paprikawürfeln und den Kräutern vermengen und 15 Minuten ziehen lassen.

Mit ein wenig feingehackter Petersilie bestreuen. Die geräucherte Entenbrust auf dem Salat anrichten. Alternativ schmeckt auch eine frische, gebratene Entenbrust dazu.

Zutaten-LinsensalatLinsensalat im Glas

Bresaolaröllchen mit Ricotta und Rucola
10 Scheiben Bresaola (hier Wildschweinschinken)
200 g Ricotta (oder Frischkäse)
1 Bd. Rucola, Stiele entfernen, waschen, trocken tupfen
feingeriebene Zitronenschale, Saft einer Zitrone
Salz, frisch gemahlenen Pfeffer

Ricotta mit Zitronensaft und -schale, Salz und Pfeffer und ein paar kleingeschnittenen Rucolablättern vermengen. Schinkenscheibe mit der Mischung bestreichen. Dann je zwei Rucolablätter in die eine und in die andere Richtung so auf die Scheiben legen, dass beim Zusammenrollen auf jeder Seite die Blätterspitzen etwas herausschauen.

Beide Gerichte lassen sich wunderbar vorbereiten, so dass wenn der Besuch kommt alles ganz entspannt laufen kann.

Wildschweinschinken
Lachstatar mit rosa Beeren
Räucherlachs, ganz klein schneiden
OrangenOlivenöl von Azada
Salz, roter Kampot Pfeffer
Zuckerschoten in feine Streifen schneiden
Abrieb einer Orange
rosa (Pfeffer) Beeren

Lachs mit Salz und Pfeffer würzen, Orangenöl untermengen, Zuckerschoten und Orangenabrieb hinzufügen. Die Konsistenz sollte das Abdrehen von Nocken ermöglichen. Mit rosa Beeren dekorieren.

Die Nocken kann man auf einem Salatblatt, zu einer Scheibe Brot oder auf einem Kartoffelrösti servieren.

Lachstatar-ZutatenLachstatar

Bandnudeln mit sautierten Pilzen
auf Champagner-Sahne-Sauce

1 Schalotte, klein gewürfelt, in Butter glasig dünsten
¼ l Champagner, 1/4 l Brühe und ¼ l Sahne angießen
mit Salz, Pfeffer aus der Mühle würzen
mit Mehlbutter (kalte Butter mit Mehl verkneten) andicken

Getrocknete Steinpilze, mit warmem Wasser überbrühen, klein schneiden,
braune Champignons und Pfifferlinge putzen, klein schneiden und in Butter dünsten.
Steinpilze kurz hinzugeben.

Nudeln in Salzwasser kochen. Mit Pilzmischung und Sauce anrichten.

Nach Wunsch kann man auch etwas ausgelassenen Speck dazu essen.

Zitronenhuhn
8 Maispoulardenbrüste
3 Zitronen
2 Chilischoten
Olivenöl
10 frische Salbeiblätter kleinschneiden
Salz, frisch gemahlenen Pfeffer
Zitronensaft mit Olivenöl, feingehacktem Chili und Salbeiblättern, Salz und Pfeffer verquirlen. Hähnchen von beiden Seiten mit der Marinade begießen, 2 Stunden ziehen lassen. Die ausgepressten Zitronenschalen mit dazu geben.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Hähnchen auf der Hautseite in den Bräter legen und im vorgeheizten Backofen etwa 30 min. knusprig braten. Nach zwanzig Minuten umdrehen.

MaispoulardePoularde-und-Pasta
Mascarponecreme mit marinierten Erdbeeren
100g Amarettikekse
150g Himbeeren
750g Erdbeeren
50 g Zucker
500g Mascarpone
200g Schlagsahne
Schale und Saft einer Limette
1 Vanilleschote

Kekse in einen Gefrierbeutel geben und grob zerdrücken. Himbeeren mit 50g Zucker aufkochen, pürieren und sieben, kaltstellen. Erdbeeren waschen und in kleine Würfel schneiden. Mit dem kalten Himbeermark vermengen. Sahne leicht anschlagen, mit der Mascarpone, Vanillemark und Limettenschale verrühren. Nun abwechselnd in schöne Gläser füllen, zuerst die Erdbeeren, dann die Creme und obendrauf die Amarettibrösel.

Erdbeer-Mascarpone-Glas

Bewußter Genuss

Märkte und Verbrauchermessen sind nicht so meins, zu viel Getümmel und Gedränge. Aus diesem Grund bin ich am sogenannten Fachbesuchertag, dem ersten Tag des „Markt des guten Geschmacks“ nach Stuttgart gefahren. Gleich zur Eröffnung um 13.00 Uhr strömten Menschenmengen in die modernen Messehallen. Zu meiner Freude wollten nicht alle zur Slow Food Messe, sondern verteilten sich auf 8 gleichzeitig stattfindende Publikumsmessen. Mit 475 Ausstellern auf 15.000 Quadratmetern ging der „Markt des guten Geschmacks“ in seine insgesamt achte Auflage. Slow-Food-015111 ausländische Genusshandwerker waren vertreten. Die meisten Aussteller jedoch kamen aus deutschen Landen und präsentierten ihre regionalen Produkte Das Angebot war vielfältig und durch die jährlich wechselnden Gastregionen (z.B. Brandenburg) bleibt es abwechslungsreich.

Auf der Messe habe ich viele ältere Besucher gesehen, einige, die wohl schon seit Beginn der Bio-Bewegung dabei sind. Aber es waren auch viele junge Besucher vor Ort. Ich spürte den Wunsch nach einem bewussteren Umgang mit unserer Nahrung und die Rückbesinnung auf das „Woher kommt das eigentlich, was ich da esse?“. Slow Food Food fördert eben diesen bewussten Genuss von saisonalen, regionalen, biologisch angebauten Lebensmitteln. Sowohl die Markt-stände als auch das Rahmenprogramm mit erprobten Slow Food Formaten wie den Geschmackserlebnissen (z.B. Würzen statt Salzen mit Ute Bornholt von Spirit of Spice), der Kochwerkstatt (z.B. gebratener Wittling mit Kartoffelrisotto und Petersiliensalat mit Johannes King) und der Forumsbühne (z.B. Fleischessen mit Achtung von dem Tier) waren gut besucht.

Slow-Food-150Die Liste der Aussteller ist lang. Viele gute Bekannte sind dabei: Delikat Essen vom Bodensee mit ihren regionalen Pesti und den Höri Bülli Zwiebeln. Goufrais und ihr kühler Schokoladengugelhupfe. Die Brüder Hatzel mit ihren echt saftigen, handgemachten Lebkuchen.  Patrick von Vacano lebt Original Beans Schokoladen.  Hinter jeder der acht Sorten steht ein soziales Projekt und für jede verkaufte Tafel wird ein Baumsetzling gepflanzt. SGnuss zeigt zarte Nudeln von La Pasta di Aldo, eingelegte Auberginen und jede Menge italienisches. Die Trüffelmanufaktur heißt jetzt Göschle, aber ihre Trüffelprodukte sind gewohnt köstlich. Auch einige „miner“ GenussGipfel-Aussteller habe ich wieder getroffen: BESH, Feel! Gin, Heim Suppen, Jordan Olivenöl, Jörg Geiger, Ariane Schaub, Reimers Liquer, Fleischerei Rhode, Spirits of Spice, Schauts Nudeln und den Doktorenhof.

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Slow-Food-089Ganz viele Aussteller (Metzger, Bäcker, Winzer) sind regionale Direktvermarkter und deshalb auf einer Publikumsmesse gut aufgehoben.

Bei all den guten Produkte um mich herum, bekomme ich langsam Hunger. Auf großen Messen ist das oft schwierig, weil die Qualität meist zu wünschen übrig läßt. Nicht so auf der Slow Food Messe.  Gute Stuttgarter Gastronomen wie die Speisemeisterei oder das Restaurant Lässig lassen das Speisen an den „langen Tafeln“ zum Genuss werden. Und das zu fairen Preisen. Neben alkoholfreien Getränken (u.a. van Nahmen Säften) sind viele Manufakturbrauereien mit ihren Spezial-Bieren vertreten. Für 1€ schmeckt das 0,1l Glas bei Engels, Adlerbräu oder der Hirsch Brauerei.

Slow-Food-084Und für den Heimweg läßt sich sogar noch eine wunderbare Jause erstehen: franz. Oliven, Käse aus dem Allgäu (jamei) oder Italien (degust), Wurstwaren aus Polen (drobgen), Schinken von Eichelschwein, Bärlauchpaste vom Bodensee und Brot von der Hofpfisterei.

Slow-Food-155Etwas Spannendes, Neues zu finden ist durchaus machbar. Drei junge Delimacher sind mir ins Auge gefallen. Sibel Özdemir von der Mandelmanufaktur Papillon macht in reiner Handarbeit und in Bio-Qualität Cantucci, Nougat mit Mandeln und Pistazien, Feigen- und Ingwer -Panforte und ein „nicht süßes“ Mandelpesto. Als Start-up präsentierte sie ihre sympathisch-verpackten Köstlichkeiten ebenso sympathisch und gut gelaunt.

Slow-Food-097Roshan Perera ist halb Ceylonese halb Wormser. Gemeinsam mit seiner Frau gründete vor zwei Jahren die Ceylon Spice Corporation. Ein absolut transparentes Produkt wollte er schaffen. Ein Produkt, bei dem Frische und Geschmack ebenso wie das Direct-Fair-Trade Prinzip im Vordergrund stehen. Neben Currymischungen, Zimt und Vanillezucker, gibt es vor allem ganze Gewürze, die frisch gemörsert werden können und so ihre großartigen Aromen freigeben. Ebenso wie der Inhaber sind die Produkte halb Ceyloneser halb Deutscher, denn die blauen Keramiktöpfe werden in der Eifel hergestellt.

Slow-Food-093Auch Miriam Ascherl aus Planegg zählt für mich noch zu den jungen Delimachern, auch wenn sie schon einige Jahre erfolgreich ihre Senfkreationen Mostarda Columella vertreibt. Neu hinzu gekommen sind neben einem eigenen kleinen Feinkostgeschäft ein paar wunderbare Grillsaucen.

Slow-Food-144Lebkuchen von Hatzel auch im April der Hit

Slow-Food-056Herr King kocht sonst auf Sylt: natürlich-regional

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