Salon du Chocolat Cologne

Im November war es soweit: Der Salon du Chocolat eroberte zum 20. Geburtstag des Pariser Originals erstmals die Stadt Köln. In Paris als kleiner Event für Schokoholics gegründet, zog er hinaus in die Welt: New York, London, Tokio, Zürich, Moskau – 20 Städte rund um den Globus zeigen jährlich ihre Schokoladenverliebtheit. Nun gibt es den Event auch in Deutschland. Salon-du-Choclat-080Zur Voreröffnung hatte ich ein paar VIP-Karten ergattert und so freute ich mich neben mehr als fünfzig tollen Schokoladenherstellern, die aus der ganzen Welt angereist waren, auch ein paar Corpus Culinario Kollegen zu treffen. Gleich zu Beginn des Abends lockte das Defilee du Chocolat, die spektakuläre Schokoladen-Modenschau, die maßgeblich zum Bekanntwerden des Salon du Chocolat beigetragen hat, die Gäste in die Halle 9 der Kölnmesse. Moderiert von der charismatischen Sonya Kraus zeigten Models gewagte, einzigartige Mode-Kreationen, die teilweise mit über 1000 Schokoladenteilchen bestückt waren. Echte Leckerbissen also!

Salon-du-Choclat-065Bekanntes und Neues, aber auf jeden Fall Köstliches galt es zu entdecken: Von der traditionsreichen Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Lambertz, der Schokoladenmanufaktur Schell, der Confiserie Coppeneur, der Confiserie Gmeiner aus Freiburg, Michel Cluizel und Chocolat Bonnat, Goufrais, Chocome aus Ungarn über den Hoflieferanten Oberweis aus Luxemburg bis zu den Schweizer Schokoladenexperten von Camille Bloch, den Newcomern Nobel sowie Leonidas aus Brüssel. Von der Tafel über die Praline bis hin zu Schokoladenkapseln, Weihnachtsbäumen und Werkzeug aus Schokolade reichte das Angebot. Neben Schokolade gab es auch franz. Nougat, Macarons, Schokoladenlikör, kandierte Früchte, Bonbons, Marshmellows und Gewürze. Außerdem gab es Vorträge, Workshops und Live-Kochvorführungen an den drei Messetagen zu bestaunen.

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preisgekrönte Pralinen von Oberweis aus Luxemburg

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chocoMe – reich mit Nüssen und Früchten bestreute Tafeln aus Ungarn

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Salon-du-Choclat-170Am Stand von Volker Gmeiner hatte ich das Glück neben Dr. Hermann Bühlbecker auch die beiden Salon du Chocolat-Gründer Sylvie Douce (welch passender Name)  und Francois Jeantet zu treffen. Frau Douce erzählte mir von ihrem Pioniergeist und dem unbedingten Glauben an die Idee einer puren Schokoladenmesse. Belächelt worden seien sie, als verrückte Idee abgetan das Engagement für sortenreine Schokoladen, unterschiedliche Kakaobohnen, Schokoladen mit Fürchten und Gewürzen. Durchhalten war die Devise, das Vernetzen der Chocolatiers untereinander und die zunehmende Beliebtheit bei den Besuchern haben die Idee wachsen und erfolgreich werden lassen.

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Bewußter Genuss

Märkte und Verbrauchermessen sind nicht so meins, zu viel Getümmel und Gedränge. Aus diesem Grund bin ich am sogenannten Fachbesuchertag, dem ersten Tag des „Markt des guten Geschmacks“ nach Stuttgart gefahren. Gleich zur Eröffnung um 13.00 Uhr strömten Menschenmengen in die modernen Messehallen. Zu meiner Freude wollten nicht alle zur Slow Food Messe, sondern verteilten sich auf 8 gleichzeitig stattfindende Publikumsmessen. Mit 475 Ausstellern auf 15.000 Quadratmetern ging der „Markt des guten Geschmacks“ in seine insgesamt achte Auflage. Slow-Food-015111 ausländische Genusshandwerker waren vertreten. Die meisten Aussteller jedoch kamen aus deutschen Landen und präsentierten ihre regionalen Produkte Das Angebot war vielfältig und durch die jährlich wechselnden Gastregionen (z.B. Brandenburg) bleibt es abwechslungsreich.

Auf der Messe habe ich viele ältere Besucher gesehen, einige, die wohl schon seit Beginn der Bio-Bewegung dabei sind. Aber es waren auch viele junge Besucher vor Ort. Ich spürte den Wunsch nach einem bewussteren Umgang mit unserer Nahrung und die Rückbesinnung auf das „Woher kommt das eigentlich, was ich da esse?“. Slow Food Food fördert eben diesen bewussten Genuss von saisonalen, regionalen, biologisch angebauten Lebensmitteln. Sowohl die Markt-stände als auch das Rahmenprogramm mit erprobten Slow Food Formaten wie den Geschmackserlebnissen (z.B. Würzen statt Salzen mit Ute Bornholt von Spirit of Spice), der Kochwerkstatt (z.B. gebratener Wittling mit Kartoffelrisotto und Petersiliensalat mit Johannes King) und der Forumsbühne (z.B. Fleischessen mit Achtung von dem Tier) waren gut besucht.

Slow-Food-150Die Liste der Aussteller ist lang. Viele gute Bekannte sind dabei: Delikat Essen vom Bodensee mit ihren regionalen Pesti und den Höri Bülli Zwiebeln. Goufrais und ihr kühler Schokoladengugelhupfe. Die Brüder Hatzel mit ihren echt saftigen, handgemachten Lebkuchen.  Patrick von Vacano lebt Original Beans Schokoladen.  Hinter jeder der acht Sorten steht ein soziales Projekt und für jede verkaufte Tafel wird ein Baumsetzling gepflanzt. SGnuss zeigt zarte Nudeln von La Pasta di Aldo, eingelegte Auberginen und jede Menge italienisches. Die Trüffelmanufaktur heißt jetzt Göschle, aber ihre Trüffelprodukte sind gewohnt köstlich. Auch einige „miner“ GenussGipfel-Aussteller habe ich wieder getroffen: BESH, Feel! Gin, Heim Suppen, Jordan Olivenöl, Jörg Geiger, Ariane Schaub, Reimers Liquer, Fleischerei Rhode, Spirits of Spice, Schauts Nudeln und den Doktorenhof.

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Slow-Food-089Ganz viele Aussteller (Metzger, Bäcker, Winzer) sind regionale Direktvermarkter und deshalb auf einer Publikumsmesse gut aufgehoben.

Bei all den guten Produkte um mich herum, bekomme ich langsam Hunger. Auf großen Messen ist das oft schwierig, weil die Qualität meist zu wünschen übrig läßt. Nicht so auf der Slow Food Messe.  Gute Stuttgarter Gastronomen wie die Speisemeisterei oder das Restaurant Lässig lassen das Speisen an den „langen Tafeln“ zum Genuss werden. Und das zu fairen Preisen. Neben alkoholfreien Getränken (u.a. van Nahmen Säften) sind viele Manufakturbrauereien mit ihren Spezial-Bieren vertreten. Für 1€ schmeckt das 0,1l Glas bei Engels, Adlerbräu oder der Hirsch Brauerei.

Slow-Food-084Und für den Heimweg läßt sich sogar noch eine wunderbare Jause erstehen: franz. Oliven, Käse aus dem Allgäu (jamei) oder Italien (degust), Wurstwaren aus Polen (drobgen), Schinken von Eichelschwein, Bärlauchpaste vom Bodensee und Brot von der Hofpfisterei.

Slow-Food-155Etwas Spannendes, Neues zu finden ist durchaus machbar. Drei junge Delimacher sind mir ins Auge gefallen. Sibel Özdemir von der Mandelmanufaktur Papillon macht in reiner Handarbeit und in Bio-Qualität Cantucci, Nougat mit Mandeln und Pistazien, Feigen- und Ingwer -Panforte und ein „nicht süßes“ Mandelpesto. Als Start-up präsentierte sie ihre sympathisch-verpackten Köstlichkeiten ebenso sympathisch und gut gelaunt.

Slow-Food-097Roshan Perera ist halb Ceylonese halb Wormser. Gemeinsam mit seiner Frau gründete vor zwei Jahren die Ceylon Spice Corporation. Ein absolut transparentes Produkt wollte er schaffen. Ein Produkt, bei dem Frische und Geschmack ebenso wie das Direct-Fair-Trade Prinzip im Vordergrund stehen. Neben Currymischungen, Zimt und Vanillezucker, gibt es vor allem ganze Gewürze, die frisch gemörsert werden können und so ihre großartigen Aromen freigeben. Ebenso wie der Inhaber sind die Produkte halb Ceyloneser halb Deutscher, denn die blauen Keramiktöpfe werden in der Eifel hergestellt.

Slow-Food-093Auch Miriam Ascherl aus Planegg zählt für mich noch zu den jungen Delimachern, auch wenn sie schon einige Jahre erfolgreich ihre Senfkreationen Mostarda Columella vertreibt. Neu hinzu gekommen sind neben einem eigenen kleinen Feinkostgeschäft ein paar wunderbare Grillsaucen.

Slow-Food-144Lebkuchen von Hatzel auch im April der Hit

Slow-Food-056Herr King kocht sonst auf Sylt: natürlich-regional

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