Mythos Mosel

Mythos-Mosel
Mythos Mosel…
meine LieblingsRieslingReise

Als Ende März eine Einladung nach Wehlen in meinem Briefkasten lag, sprang mein Herz vor Freude in die Luft. Ein paar namhafte Wein- und Foodblogger waren eingeladen im ehrwürdigen Moselweingut Joh. Jos. Prüm einer ganz besonderen Weinprobe beizuwohnen. Diese wollte zum einen Wein- und Essensmenschen zusammenbringen und zum anderen mit traumhaften Weinen der beiden Gastgeberweingüter J.J.Prüm und Willy Schäfer zeigen, was Mosel alles kann. Und die kann was!

Im August 2013 erschien in der FAZ ein „folgenschwerer“ Artikel von Jakob Strobel y Serra über eine Weinregion, die in ihrer touristischen Vergangenheit der siebziger Jahre steckengeblieben war. Bestes Beispiel: die Stadt Cochem, das Schmuddelkind an Deutschlands schönstem Fluss mit Schnitzelparadiesen, Schlagermusikhöllen und Souvenirramschläden. Der Autor schuf den Begriff „Moselochsen“ und meinte damit die liebenswert aber kolossal sturköpfigen Moselaner. „Das Tal ist so eng und hermetisch, so sehr in sich selbst ruhend und sich selbst genügend, dass man hier leicht der Versuchung erliegt, im eigenen Saft zu schmoren – und gleichzeitig ist es so schön, dass man gar nichts dagegen hat“, schrieb Strobel y Serra damals und erntete damit zahlreiche erboste Leserkommentare.

Für die Winzer der Mosel war der Artikel Anlass genug sich zusammen und damit etwas dagegen zu setzten. Die Idee der Mythos Mosel Veranstaltung war geboren und nach fulminanter Premiere im letzten Jahr ging die Riesling-Reise in diesem Jahr weiter flussabwärts. An zwanzig Flusskilometern, von Kesten bis Zeltingen, konnten die Besucher mehr als 500 Weine probieren. 25 Gastgeberhöfe öffneten Ende Mai zwei Tage ihre Tore und Keller. 89 sowohl Spitzenwinzer darunter auch viele junge Talente zeigten wie vielseitig die Mosel sein kann, wie offen und gastfreundlich ihre Winzer sind, aber vor allem zeigten sie Geschlossenheit.

Schloss-LieserAn der grandiosen, aber leider auch schnell ausgebuchten Eröffnungsfeier auf Schloss Lieser am Freitagabend konnte ich leider nicht teilnehmen. Meine RieslingReise begann am Samstag. In Zeltingen am Klosterberg bei Markus Molitor war es leider so voll, dass ich gleich weitergefahren bin. Mit seiner 3 x 100 Punkte Bewertung und seinen Gastweingütern St. Urbanshof und Van Volxem war er einer der Publikumsmagneten der Veranstaltung. Meine erste Station, das Weingut Willi Schäfer in Graach, war ebenfalls bestens besucht. Dort traf ich die Gastgeber der morgigen Probe: Dr. Katharina Prüm und Christoph Schäfer. Ich hatte bisher noch nie einen Schäfer-Wein getrunken und nutze sogleich die Möglichkeit dies Vergangenheit sein zu lassen. Ich war ehrlich überrascht über die filigrane Eleganz, die so viel Trinkfluss und Druck erzeugt.

Weingut-SchaeferJeweils 5 Weine stellte jedes Weingut vor. Meist aus aktuellem Jahrgang Guts-Kabinett, Lagen-Kabinett, Spät- und Auslese. Bei Prüm war das anders, das war klar. Gereifte Rieslinge zeigen das ganze Können von Lage und Kellermeister. So schenkte mir Petra Pahlings, die beim Weingut Prüm den Vertrieb in Deutschland steuert, neben einem 2012er Graacher Himmelreich Kabinett auch eine 2007er Bernkasteler Badstube Auslese und eine 2003er Wehlener Sonnenuhr Auslese ins Glas. In ihren begleitenden Beschreibungen merkt man ihr die Liebe zu den Prümschen Weinen und die Region an. Ich bin begeistert. Allerdings, wenn man mit den Besten anfängt, haben es die Weine danach schwer. So zog ich nur ein kleines Stückchen weiter nach Bernkastel-Kues. Dort liegt direkt an der Mosel das Weingut Dr. Loosen. Ernie Loosen ist bestimmt kein Moselochse, seine wilden Locken lassen erahnen wie viel in seinem Kopf in Bewegung in seinem Kopf ist. Genauso quirlig ist seine Verkaufsleiterin. Desiree Schröder, immer unterwegs im Dienste des Mosel-Rieslings, zeigte mir auch die Weine der Gastweingüter Ansgar Clüssenrath und Julian Haart. Julian Haart ist eins der jungen Talente der Mosel. Zunächst machte er eine Ausbildung zum Koch, doch dann entdeckte er seine Liebe zum Riesling und lernte u.a. bei Reinhard Löwenstein und Egon Müller. 2010 hat er sein Weingut in Piesport gegründet. Seine Philosophie: „Große Rieslingweine werden nicht gemacht, sondern sie wachsen in exzellenten Lagen“. Und die hat er: Piesporter Schubertslay und Goldtröpfchen sowie Wintricher Ohligsberg. Meine Reise ging weiter flussaufwärts in Richtung Brauneberg.

am-Fluss-entlangDie Landschaft ist einzigartig und man muss sie erleben, um sie und ihre Weine zu verstehen. Schon auf Fotos sehen die Weinberge atemberaubend aus, vom gegenüber liegenden Ufer wirkt die steile Wand wie eine ebene Fläche. Ihre wahre Schönheit, ihre Macht mit der sie den Blick in die Ferne brechen, wie sie steil hinauf streben, ihre Wellen und Trichter mit unterschiedlichen Himmelsausrichtungen, ihre vielen kleinen Parzellen sieht man nur, wenn man direkt davor steht. Tausende von Rebstöcken, meiste Riesling, wachsen in schwindelerregender Höhe. Der im Sommer sanft dahinfließende Fluss ist breit und das andere Ufer eine andere Welt. Der Abstand macht ruhig.

Im Weingut Martin Conrad besuchte ich Andreas Barth, dessen Weingut Lubentiushof in Niederfell an der Terrassenmosel liegt. Dort bewirtschaftet er die fast Monopol- aber definitiv Steilstlage Gäns. Andreas ist Verfechter der Spontanvergärung. Seine Weine entstehen ausschließlich mit natürlichen Hefen aus Weinberg und Keller. Das „Passierenlassen“ ist seine Philosophie. Die Natur bestimmt das Ergebnis. Seine Spätlese und die Alten Reben sind immer fix ausverkauft, wie schön, dass ich sie hier noch probieren darf.

Andreas-BarthEinen Abend an der Mosel verbringt man am besten mit Freunden bei Ingrid Kropf im Rieslinghaus Porn. Gereifte Rieslinge und indisches Essen – eine super Einstimmung auf den morgigen Tag.

Petra-PahlingsMorgens um Zehn startete der Mosel-Mythos-„Frühschoppen“ mit einem 20012er Graacher Himmelreich Kabinett im Weingut Joh. Jos. Prüm. Katharina Prüm erzählte vom Sinn dieser Probe, sie solle Facetten des Rieslings zeigen und den Stil des Hauses greifbar machen, auch für Mosel-“Neulinge“.

Blogger-Fruehschoppen Viele Gedanken wurden gedacht bevor die Probenfolge stand: Wein aus einer Lage aus gleichen Jahrgängen von beiden Weingütern wurden einander gegenübergestellt; jedes Weingut zeigte seine „große“ Lage in verschiedenen Jahren, dabei wurden Jahrgänge mit ähnlichem Wetterverlauf wie die beiden kühleren Jahre 2004 und 2008 verglichen und Weine aus warmen Jahren wie 2003 gezeigt. 2003 war der erste Jahrgang den Katharina begleitet hat. Er reift, laut Vater Prüm, wie der Jahrgang 1959. Langlebigkeit ist das wichtigste Qualitätsmerkmal an der Mosel. Das schafft das einzigartige Terroir. „Der tiefgründige Tonschieferverwitterungsboden stellt zusammen mit dem eher kühlen Klima der Mosel und der perfekten Sonneneinstrahlung ein Paradies für Riesling dar. Zahlreiche Wasseradern garantieren eine optimale Wasserversorgung“, erklärt Christoph Schäfer. Auch die Reben sind langlebig, bis zu 100 Jahre alte wurzelechte Reben stehen hier in den Steillagen. An der Wand hängt ein Portrait von Maria Prüm, der Mutter des Weingutsgründers. Ihre Urenkelin Katharina ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten.

Maria-PrümIn sieben Flights wurden 19 Weine gezeigt, ab Flight 4 spuckten auch die „Profis“ nicht mehr! Wir waren bei den Auslesen angekommen. Wunderbar: zwei Weine aus 2007 und 1997, dann zwei Goldkapseln aus 2003 und 1983.

Spannend wie sich die Süße mit ihren Fruchtnoten von Apfel über Pfirsich bis zu Exoten, die bei den „jungen“ Weinen noch im Vordergrund stehen, mit den Jahren verändert und der Mineralität Platz macht. Dabei zeigen die Weine eine unendliche Eleganz und Feinheit, sind vielschichtig und gleichzeitig leicht.

Bis zu 150 Tage reifen die Beeren von der Blüte bis zur Ernte, die oft erst Ende Oktober oder Anfang November in 100% Handarbeit stattfindet. Die Gärung erfolgt mit natürlichen Hefen bei Schäfer in alten Fuderfässern, bei Prüm in Edelstahltanks. Im Keller wird möglichst wenig eingegriffen. Die Reislinge brauchen Zeit. Sie liegen lange auf der Hefe und werden spät gefüllt.

die-GastgeberAuch der 1976 Graacher Domprobst aus Christoph Schäfers Geburtsjahr, „da hat der Papa ein paar Fläschchen mehr von weggelegt“, ist herrlich animierend. Gereift ist keineswegs alt. Leider wird diese Wertschätzung den Moselweinen hauptsächlich im Ausland entgegen gebracht und somit der Großteil der Weine exportiert. Der in Deutschland beginnende Trend zu weniger Alkohol könnte der Mosel zuspielen. Der Mut zu gereiftem Wein erfordert ein gutes Fachhändler- oder Gastronomienetz, denn Aufklärungsarbeit ist erforderlich. Wer einmal mit dem Mythos Mosel infiziert ist, den lässt er nicht mehr los. Welch eine grandiose Probe. Ich bin dankbar dabei gewesen sein zu dürfen.

ProbenfolgeNach drei Stunden voller Information lasse ich es nun gemächlich angehen. Im Weininformationszentrum gefallen mir die Weine von Materne & Schmitt, zwei junge Winzerinnnen, Moselriesling aus Luxemburg vom Chateau Pauqué finde ich beim Gastweingut Thanisch, Daniel Vollenweider vom Klitzekleinen Ring begeistert mich in Lieser. Im Weingut neben dem Schloss treffe ich auf die Weine vom Weingut Zilliken, auf Frau Jauch und die Othegraven Weine und auf den Winzer des Jahres 2015 Thomas Haag.

vom-gegenueberliegenden-UferAm späten Nachmittag überquere ich noch einmal den Fluss, der auf 250km durch ein sich in unzähligen Kurven schlängelndes Tal fließt. Immer nur den Blick freigebend auf die schwindelerregenden Hänge voller in Reih und Glied stehender Reben. Das Weinromantikhotel Richtershof ist mein letztes Ziel der offiziellen Reise. Dort treffe ich auf drei wahre Winzertalente: Gernot Kollmann ist seit 2009 Önologe des Weinguts Immich-Batterieberg. Er macht intellektuelle, trockene Rieslinge mit viel mineralischer Präsenz und hat keine Angst vor Säure. Stefan Steinmetz aus Brauneberg kann nicht nur weiß, sondern auch rot. Ganz gleich ob Pinot Noir oder Meunier, Merlot oder Dornfelder (40XL) seine Weine sind finessenreich, ausdrucksstark und müssen probiert werden! Constantin Richter ist der jüngste Spross einer Winzer-Dynastie. Die Weine vom Weingut Max Ferdinand Richter besitzen Weltruhm und das seit fast 300 Jahren. Das Etikett seit 100 Jahren fast unverändert.

Max-Ferdinand-RichterSo traditionell wie der Tag begann, so sollte er enden, und so gastfreundlich und offen. Traditionen zu bewahren heißt keineswegs nicht auch bereit für die Zukunft zu sein. Wir haben an diesem Abend noch ein bisschen in der Vergangenheit geschwelgt und im Keller Platz für die Zukunft gemacht.

AltweinprobeDas Image der Mosel wandelt sich, „sie kommt zurück und ist auf dem Weg zu dem Platz der ihr zusteht“, so Constantin Richter. Recht hat er!
Mehr Infos: www.mythosmosel.de

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